Seit nunmehr 12 Jahren lebt Murshida Arzu Alpana in Berlin, organisiert ihre Arbeit zwischen der westlichen Metropole der Kunst und ihrer Heimat Dhaka in Bangladesh. Diese Distanz zwischen zwei Welten ist auf vielfache Weise zu bewältigen und zugleich die Herausforderung an Alpana. Die Tatsache, daß Murshida Arzu Alpana diese Arbeit mit den Mitteln der Malerei bewältigt, ist so die ausdrucksstärkere Möglichkeit, den Dialog und den Konflikt, die Herkunft und die Hinwendung zu zeigen.
Was Alpana mit nach Deutschland brachte und als ihr Erbe zu betrachten ist, ist ein Gespür für Farben und, was Malerei ausmacht, das Nebeneinander und Zueinander von Farbigkeit. Hier bekunden ihre Werke von Anfang an große Sicherheit im Umgang mit einer Palette, die in Deutschland etwas Fremdes darstellt. Die ersten Werke, die ich damals im Atelier sehen konnte, waren immer schon geprägt von Licht. Die Erzählungen der Bilder waren orientiert an dem Nach- und Nebeneinander von Szenen, wie sie in allen Kulturen aus der Buchillustration vertraut sind. In friesartigen Darstellungen traten Figurationen auf, die ein westlicher Betrachter aus dem ihm vertrauten Genre des Comic ableiten kann, die allgemeiner gesehen auch ihren Ursprung in archaischen Ritzzeichnungen haben können, wobei innerhalb der Konturen die Farbe den Eindruck des Archaischen überwindet und in der Tradition eines immer gegenwärtigen Expressionismus gesehen werden kann. Wesentlich ist jedenfalls die Gleichzeitigkeit verschiedener, in sich statischer Momente. Die Figuren erscheinen wie Piktrogramme, reduziert auf ihr emblematisches Dasein. Stehende, liegende, gewendete, fragmentarische Gestalten bevölkern die Leinwand vor einem ortlosen Farbraum, der keine räumliche Perspektive zu erkennen gibt.
Im Laufe der Jahre ändert Murshida Arzu Alpana ihre Auffassung von der Darstellung dieser Figuration. Sie wird auf die Darstellung des Kopfes reduziert, der seinerseits in den Bildern eine gewisse Monumentalität bekommt. Diese Köpfe, die sogar im Titel die Funktion eines Porträts zugesprochen bekommen, stellen aber keine Physiognomie dar, keine mimetische Abbildung. Alpana entwickelt die Individualität der Darstellung allein aus der Geste heraus, aus dem Charakteristischen einer Kontur und der Bewegung, um diese mit der Farbe in eine Stimmung zu steigern. So bleibt die eigentliche Darstellung einer Figur anonym so, als wolle Alpana ihr damit den Schutz ihres Gefühls, das in der Farbe zum Ausdruck kommt zusprechen.
Hierin liegt der Widerspruch und zugleich die Faszination der Bilder von Alpana, sie stellen Emotionen direkt dar, um sie durch eine innere Distanz, die immer auch eine Distanz als Teil des Lebens von Murshida Arzu Alpana ist, vor allzu direkter Nähe zu schützen. Diese Emotionalität und Ausdrucksstärke in den Werken von Alpana wird ausschließlich über die Wirkung der Farbe erzielt, in die die Köpfe eingebunden sind, Hintergründe verweben sich mit Kleidung, deren Ornamentik wiederum mit Strukturen des Raumes, der nun, stärker als in Werken zuvor, Räumlichkeit erahnen läßt. So ist es vielleicht die Annäherung an Perspektive, die als „westlicher“ Einfluß zu markieren ist, ein Raum, der aber immer noch von der Farbigkeit und der Flächigkeit der Figuren darin bestimmt ist. Geblieben ist auch die Statik der Figuren, verstärkt hat sich ihr Schauen, ihr Dasein als Darstellung, die gesehen werden will.
Dr. Friedrich Meschede,
Head of the Department of Visual Arts, Artists-in-Berlin Programme, DAAD.